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Jungen und Mädchen eine Zukunft geben

In Cochabamba kümmern sich die Schwestern um die sich selbst überlassenen Kinder von Strafgefangenen

vier Kinder

Abends gegen halb neun, wenn nach und nach in den Häusern des Kinderdorfes Aldea de niños de Cristo Rey die Lichter ausgehen, liegt wieder ein arbeitsreicher Tag hinter Petra Sadura. Petra Sadura ist Ende 2007 mit Ihrer Familie nach Cochabamba ausgewandert, um dort die Betreuung von bis zu 200 weiteren Kindern zu leisten. Kinder, deren Väter im Gefängnis eine Strafe absitzen und deren Mütter ebenfalls in die Haftanstalten mit einziehen, um für ihre Männer zu sorgen. Wenigstens einmal im Monat dürfen sie alle zusammenkommen - in der Hoffnung, irgendwann wieder ein normales Familienleben führen zu können.

Erst im Juni 2008 übernahmen wir als Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel auch die Trägerschaft für die benachbarte Schule, die sowohl von Kindern aus der Stadt als auch von denen des Kinderdorfes besucht wird. "Aber die Betreuung und die Ausbildung der Kinder gehört für uns in solchen Situationen immer ganz eng zusammen", begründet Generaloberin Schwester Aloisia Höing das breite Engagement der Gemeinschaft an diesem Standort.

Kinder gehören in kein Gefängnis

Schwester und Kind mit Papierkrone

Die Situation ist für viele Familien fatal. "Wer in Bolivien eine Straftat begeht, wird in dem Gefängnis des Bezirkes eingesperrt, wo man er die Straftat begangen hat", erklärt Petra Sadura. Oft werden Familien dadurch auseinander gerissen. Da sich in dem Gefängnis niemand um die Häftlinge kümmert, ziehen die Ehepartner gleich mit ein. Und oft auch die Kinder. "Eben sie wollen wir aber aus dieser katastrophalen Situation befreien", sagt Petra Sadura.

Wenn heute jemand im Aldea de niños de Cristo Rey anruft und mitteilt, dass in einem der Gefängnisse der Stadt wieder eine Familie mit Kindern eingetroffen sei, lassen Petra Sadura und ihr Team alles andere stehen und liegen. "Hat man diese Hallen erst einmal von innen gesehen, will man den Kindern so schnell es geht helfen", so die dreifache Mutter. Oft würden alte Fabrikgebäude zu Verwahranstalten für Häftlinge umfunktioniert. Hier haben sie keinerlei Privatsphäre. Mit Möbeln und Stofffetzen versuchen die Menschen ein paar Quadratmeter für sich zu markieren. Die hygienischen Umstände seien unvorstellbar. Die Kinder schlafen dort und sind sich tagsüber auf der Straße selbst überlassen.

Kinderdorf als vorübergehendes Zuhause

In dem Kinderdorf finden sie vorübergehend eine neue Heimat. Es gibt Schwestern und Mitarbeiter, die sich um sie kümmern. Und sie dürfen zur Schule gehen. Hier leben die Jungen und Mädchen in Wohngruppen von etwa 20 bis 25 Kindern. Sie werden jeweils von einer Tia - einer jungen Frau, die den Haushalt führt und Betreuungsaufgaben übernimmt - begleitet. Morgens gehen sie zur Schule. Und nachmittags gibt es gemeinsame Freizeitaktivitäten. Auch die drei Töchter der Saduras - Lea, Rut und Eva - sind dort inzwischen heimisch geworden.

Natürlich war es für die Familie aus Geseke ein großes Wagnis, sich auf diese Aufgabe einzulassen. Aber Petra Sadura hat schon ein halbes Jahr in Indien gelebt und dort in einer Lepra-Siedlung gearbeitet. Schließlich verbrachte sie die Osterferien 2007 mit Ihrer Familie ihren Kindern in Cochabamba, um sich mit den Gedanken vertraut zu machen. "Danach haben auch die Kinder Vor- und Nachteile abwägen können", erklärt Petra Sadura. Nach der eineinhalbjährigen Phase der Auseinandersetzung und Vorbereitung gingen sie das Abenteuer schließlich ein. "Und wir bereuen es nicht. Denn wir freuen uns über jedes Kind, das wir aus dem Gefängnis holen und dem wir dann eine Zukunft bieten können", so die gelernte Altenpflegerin, die vorher die Tagespflege Haus Maria in Trägerschaft unserer Ordensgemeinschaft in Geseke leitete und dadurch auf die Missionsarbeit der Schwestern in Bolivien aufmerksam wurde.

Petra Sadura freut sie sich auch über jede finanzielle Unterstützung, die sie aus Deutschland erfährt. "Dieses Geld hilft uns, die Häsuer und die Schule auszustatten und neue Ideen umzusetzen". Mit 20 Euro lassen sich in Bolivien beispielsweise schon eine Schulbank und ein Tisch für zwei Kinder organisieren.

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