
Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel
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Das rumänische Dorf Siretu gehört zur politischen Gemeinde Sauçesti (4.165 Einwohner), zu der auch die Dörfer Schineni, Serbesti, Sauçesti und Bogdan-Vodã zählen. Die Gemeinde befindet sich nahe der moldawischen Grenze, rund 20 km von der Bezirksstadt Bacãu entfernt, und liegt in einem Tal, umgeben von den Flüssen Siret und Bistrita. Bereits seit August 2000 kümmern sich die Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel (SMMP) um die Sorgen und Nöte der Straßenkinder und ihrer Familien in Schineni. Im Dezember 2006 haben sie ihr Engagement auf das Nachbardorf Siretu ausgedehnt und dort in Kooperation mit der politischen Gemeinde ein soziales Zentrum für die gesamte Region eröffnet.
Siretu liegt langgestreckt an einer Durchfahrtsstraße, nur hier und dort mal eine Abzweigung. Der Autoverkehr ist gering. Die meisten Fahrzeuge sind Pferdefuhrwerke. Oft sieht man Kühe und Ochsen auf der Straße - die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.
Um das Leben und die Situation der Menschen und besonders der Kinder in Siretu und der näheren Region zu begreifen, ist ein Blick auf ganz Rumänien notwendig: 1996 lebten offiziell vier Millionen Menschen in absoluter Armut, also knapp ein Fünftel der Bevölkerung. 1997 waren es bereits sieben Millionen. Jedes fünfte Kind in Rumänien wird unehelich geboren; stabile Lebensverhältnisse gibt es kaum. Der Anteil der Mütter mit schwachem Bildungsniveau betrug 1998 annährend 60 Prozent. Arbeitslosigkeit trifft vor allem Frauen und Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren. 1998 war fast jeder zweite rumänische Jugendliche arbeitslos gemeldet. Eine Unicef-Studie schätzte die Zahl der rumänischen Straßenkinder Ende 2000 auf rund 8.000. Auch heute gibt es diese noch, auch wenn die Anzahl gesunken ist. Viele leben dauernd auf der Straße und haben jeglichen Kontakt zu ihren Familien verloren. Sie müssen betteln und stehlen um zu überleben.
Auch heute trifft man noch vereinzelt auf Kinder, die nachts auf einem Wärmeluftschacht oder Kanaldeckel schlafen. Besonders schlimm ist es, wenn der eisige Winter über die rumänischen Städte und Dörfer hereinbricht. Einige Kinder gehen dann für kurze Zeit nach Hause, doch wer von den eigenen Eltern geschlagen wird, rennt wieder weg. Viele Kinder werden auch von ihren Eltern auf die Straße geschickt, denn immer mehr rumänische Familien leben am Existenzminimum. Diese Kinder müssen betteln oder sie waschen an Staßenkreuzungen die Windschutzscheiben von Autos. Andere schlagen sich als Kriminelle durch.
Diese Entwicklung hat auch vor dem Dorf Siretu und seiner Umgebung nicht Halt gemacht. Die Situation ähnelt der vieler anderer Orte Rumäniens: Verwahrloste Kinder auf den Straßen, hohe Arbeitslosigkeit, Familien, die am Rande des Existenzminimums leben, Anwachsen der Kriminalitätsrate (besonders Gewaltdelikte Kindern und Frauen gegenüber), Anwachsen der Anzahl behinderter und pflegebedürftiger Menschen usw. In den letzten Jahren kommt noch verstärkt hinzu, dass viele junge Erwachsene - vor allem Männer - aus den Dörfern in die reicheren Nachbarländern ziehen, um Geld für ihre Familien zu verdienen. Man kann hier eine neue Form der Landflucht feststellen.
Die sechs Schwestern des Konvents in Schineni, an den das neue soziale Zentrum in Siretu mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angegliedert ist, konzentrieren sich auf die Verbesserung der konkreten Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen die auf der Straße leben. Zielgruppe sind aber auch die alten und kranken, oftmals verlassenen Menschen, die sich kaum allein helfen können. Außerdem bieten sie die Schwestern den Menschen und Familien des ländlich strukturierten Raumes Unterstützung und Begegnungsmöglichkeiten.
Konkretisiert wird der soziale und pastorale Ansatz in Siretu seit Dezember 2006 durch den Aufbau und Betrieb eines Zentrums für sozial benachteiligte sowie psycho-sozial gefährdete Kinder, Jugendliche und deren Angehörige. Sowohl Leitung als auch Mitarbeiter suchen ausdrücklich die Zusammenarbeit und die Vernetzung zwischen Kommune, Kirchen, sozialen, medizinischen und pastoralen Fachkräften sowie Ehrenamtlichen aus der Gemeinde. Die Arbeit des Hauses wird geprägt von einem christlichen Menschenbild, das die Würde und den Respekt vor der Einmaligkeit jedes Einzelnen zum Ausdruck bringt und die Begleitung und Förderung zur Selbständigkeit zum Ziel hat. So soll das Zentrum ein Haus der offenen Tür bzw. ein Haus der Hoffnung für alle Menschen, gleich welcher Konfession und Herkunft, sein.
Die Arbeit im sozialen Zentrum steht auf vier Projektsäulen: Eine erste ist der Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. Dieses Angebot richtet sich besonders an Kinder und Jugendliche von der Straße und aus zerrütteten Familien. Im Zentrum erhalten sie Hilfen für den Schulalltag (Hausaufgabenbetreuung), können ihre Freizeit sinnvoll verbringen und einen Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte finden. Den hungrigen Kindern wird darüber hinaus an den Öffnungstagen eine warme und vitaminreiche Mahlzeit angeboten.
Als zweite Säule ist das Zentrum Anlaufstelle für Jugendliche, aber auch deren Eltern. Hier können sie in schwierigen Lebenslagen bzw. Krisensituationen (sexueller Missbrauch, Gewalt in der Familie, Alkoholprobleme) eine erste Beratung in Anspruch nehmen können. Eine Sozialarbeiterin steht den Rat- und Hilfesuchenden als Ansprechpartnerin zur Verfügung um mit den Betroffenen mögliche Wege und Schritte aus der Krise zu entwickeln und sie dabei fachlich im Rahmen der Möglichkeiten zu begleiten.
Der Aufbau eines kleinen ambulanten Pflegedienstes für kranke und behinderte Menschen ist das dritte Standbein des Projektes. Diese Menschen werden durch pflegerische Fachkräfte des Zentrums sowie geschulte Hilfskräfte aus der Gemeinde zu Haus gepflegt und in sozialen Fragen beraten. Das Pflegeteam soll die Angehörigen unterstützen und gerade für die sehr einsamen und allein lebenden alten und kranken Menschen in ihren Hütten eine Hilfe sowie einen Lichtblick im Alltag darstellen.
Schließlich bietet das soziale Zentrum als vierte Projektsäule moto- und physiotherapeutische Einzel- und Gruppenangebote an, um Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen gezielt behandeln und sie so in ihrer Entwicklung nachhaltig fördern zu können. Eine Sozialraumanalyse hat hierfür einen sehr großen Bedarf für die Region ermittelt. Für das Zentrum sind in Kooperation mit der politischen Gemeinde dafür entsprechende Therapiegeräte angeschafft und ein Behandlungsraum eingerichtet worden. Ein Physiotherapeut und ein Motopäde stehen als Teilzeitkräfte für dieses neue Angebot seit 2007 zur Verfügung.
Für das Projekt in Siretu hat die politische Gemeinde zusammen mit der Europäischen Union (EU) der Ordensgemeinschaft ein neues Haus mit entsprechenden Einrichtungsgegenständen zur Verfügung gestellt. Die Schwestern haben die Verantwortung für die Entwicklung und Umsetzung des pädagogischen Konzeptes übernommen und tragen die Kosten für den Betrieb des Zentrums allein. Eine Refinanzierung dieser Kosten (Lebensmittel, Personal- und Sachkosten etc.) aus öffentlichen Mitteln ist nicht möglich. Daher sind die Schwestern dringend auf Projektpaten und andere Förderer angewiesen, die das soziale Zentrum durch einen monatlichen Beitrag unterstützen und die Arbeit im Projekt so langfristig absichern helfen.
Völlig unverbindlich und kostenlos können Sie weitere Informationen im Patenschaftsbüro der SMMP im Bergkloster Heiligenstadt anfordern oder auch sofort eine Patenschaft übernehmen. Ihre Hauptansprechpartnerin ist Schwester Adelgundis Pastusiak. Die Höhe Ihres monatlichen Patenschaftsbetrages wählen Sie selbst und auch die Zahlungsweise. Selbstverständlich erhalten Sie unaufgefordert eine Jahreszuwendungsbescheinigung für Ihre Steuererklärung. Mit einer Patenschaft gehen Sie im Übrigen keinerlei rechtliche Verpflichtung ein und können diese daher auch zu jeder Zeit kommentarlos beenden.
Ansprechpartner:
Sr. Adelgundis Pastusiak
und
Winfried Meilwes
Patenschaftsbüro
Tel. 03606 673-134
E-Mail: patenschaften@smmp.de